acappella absurd aktuell

26.04.11 16:11

Ruhm posthum!

Liebe Waschgemeinde,

posthum wird uns noch die Ehre zuteil, nach der wir so lange überall in der Republik gesucht haben. Nun haben wir es schwarz auf weiß für immer und ewig. Wer es als...

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Der 1. Herborner Kleinkunstpreis: Der Schlumpeweck

Vorgeschichte und Selbstlob

Rummsbumms! Die Waschkraft war mal wieder in Sachen Kleinkunstpreis unterwegs und hat gleich zweifach zugeschlagen! Wir beteiligten uns am Wettbewerb um den 1. Herborner "Schlumpeweck" und schubsten uns auf das zweifache Siegertreppchen: Nach zähem Ringen ergatterten wir den Jurypreis und auch noch den Publikumspreis. Halleluja. Wir können nicht behaupten, dass uns das nicht freuen täte.
Aber nun fragt sich natürlich die Weltöffentlichkeit, was um himmlswilln ein "Schlumpeweck" eigentlich ist. Und das möchten wir der Weltöffentlichkeit natürlich gern erklären.

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Allgemeines und Lexikalisches

Nachdem feststand, dass die Herborner ihre Kulturszene mit einem Kleinkunstpreis dekorieren wollten, stand die Frage im Raum: "Wie soller denn heißen?!" und man grübelte. "Die Goldene Kniescheibe von Schlonzberg an der Pumpe", "Der Bottroper Geigenkasten" und "Der Stuttgarter Besen" klang ja irgendwie nicht so gut. Der Name sollte schon etwas mit Herborn zu tun haben. Tja. In Herborn werden 90 % aller Flugzeugküchen hergestellt, aber die "1. Herborner Flugzeugküche" war nicht der wahre Jakob. Und der "Herborner Jakob" auch nicht. Also besann man sich auf eine so essbare wie traditionsreiche Herborner Spezialität: den sagenumwobenen Schlumpeweck.
Ein Schlumpeweck ist einfach ein Haufen Apfelmus, der in zwei mürbchenartige Teighälften geklemmt ist, damit er nicht durch die Finger glitscht.


Herstellerin und Aufschlitzung

Es ist uns gelungen, die Herstellung eines Schlumpewecks erstmalig in Text und Unbewegtbild festzuhalten. Im untigen Bild sehen wir die Elke. Die Elke ist eine der wenigen noch lebenden domestizierten Schlumpeweckbäckerinnen. Auf dem Bild sieht man rechts hinter ihrem Kopf im Regal die Aktenordner mit den Dankesschreiben aus aller Welt für ihre sagenhafte Schlumperei. Es ist gut zu erkennen, mit welcher Liebe, Hingabe, Grazie, Akuratesse und Professionalität sie den Schlumpeweckrohling in zwei Hälften teilt. Sehr wichtig ist hierbei natürlich das Tragen der Schutzbrille!



Auf dem zweiten Bild sehen wir in Detailansicht den Schlumpeweckrohling mit aufsperrtem Maul. In selbigem findet das süße, liebliche Apfelmus später sein feuchtes Grab. Uaaaahaahaaaaaaaaaa!
Zu beachten ist, dass Schlumpeweckrohlinge stets und ausschließlich mit Messern aufzuschneiden sind, die einen rosafarbenen Griff haben. Sonst werden sie unruhig und quengelig. Und das will doch keiner.


Befühlung und Befüllung

Jetzt gilt es, das Schlumpeweckchen zu befüllen und gleichzeitig das schlüpfrige Apfelmus in selbiges zu sperren. Hierzu nimmt man am besten herkömmliches, also ungesalzenes, frisches, glasverpacktes, deckelbedecktes, gelbliches, prontisiertes und hyperkallomatrines, apfelhaltiges Mus. Schlumpeweckmeisterin Elke verriet uns das für dieses Unternehmen tradierte Grundgesetz: "Gib ihm!"


Bratung und Beratung

Nachdem man das Mus erfolgreich unter gutem Zureden zwischen die Schlumpeweckhälften geklemmt hat, nimmt man eine qualitativ hochwertige Pfanne (z.B. eine St. Ingberter - wenn man eine hat!) und erhitze darin ordentlich Fett. Bis das Fett heiß ist, sollte man den Schlumpewecken etwas die Zeit vertreiben, beispielsweise durch Witzeerzählen oder durch das Absingen schmutziger Lieder. Dann werden die Schlumpewecken entgegen dem Uhrzeigersinn in die Pfanne gelegt. Wichtig hierbei: Dieser Vorgang muß unbedingt dreihändig geschehen! (Eine dritte Hand bekommen Sie bei ihrem Orthopäden.)



Den Schlumpewecken wird jetzt sehr sehr heiß. Sie sind nur durch Spezialwerkzeuge im Zaum bzw. in der Pfanne zu halten. Im Bild ist gut zu erkennen, dass Elke sowohl eine Schlumpeweckzwicke (ein Familienerbstück mit hübschem Elfenbeingriff) als auch eine Weckenkralle benutzt, um die Schlumpewecks zu bezähmen. Ein altes Herborner Sprichwort heißt daher: "Im Schlumpeweckfalle nimm Zwicke und Kralle!"


Kandieren und Servieren

Der gemeine Schlumpeweck fühlt sich, soll er serviert werden, ausschließlich auf weiß-blauen Tellern wohl. Dies wurde 1765 nach langen Versuchsreihen und bürgerkriegsartigen Tumulten um die richtige Serviertellerfarbe festgeschrieben. Die frühere Bedeutung des Schlumpewecks mag daran erkennbar sein, dass sich der Freistaat Bayern die Schlumpeweckserviertellerfarben zu seinen Landesfarben gemacht hat.



Der Schlumpeweck, der sich nun durchgebraten auf seinem weiß-blauen Teller befindet, ist nach wie vor ziemlich ungehalten und neigt zur Flucht. Aus diesem Grunde muß er beschwert werden. Dies geschieht traditionsgemäß mit ordentlich Zucker. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass die ganze Geschichte, die ja nu eh schon eine ziemlich nahrhafte ist, noch ein paar Kalorien obendrauf kriegt.


Verzehren und Beschweren

Jetzt muß man einen Dummen finden, der das Ganze probiert.
Ach, da isser ja.



Wir sehen unsern Peter, wie er sich den ersten Schlumpeweck zu Gemüte führt. Deutlich zu erkennen ist sein etwas unsicherer Gesichtsausdruck. Dieser stammt daher, dass alle, die gehört hatten, dass es einen Schlumpeweck zu verzehren galt, mit großen rollenden Augen "Ououou..." gesagt hatten oder "Achdumeinegüte." oder gar "Ogottogotto." wegen der beachtlichen Fettschwere. (Des Schlumpewecks - nicht Peters...)
Jedoch waren alle Sorgen umsonst: Wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann, schnappt Peter über vor Begeisterung.



Nachdem die Kollegen eine Woche abgewartet hatten, wie Peter den ersten Schlumpeweck übersteht, haben sie dann alle zugeschlagen. Und zwar ebenfalls mit wachsender Begeisterung.


Tradition und Moderne: Waschkraft und der Schlumpeweck

So. Nu wissen wir glücklicherweise alle, wie ein Schlumpeweck entsteht. Und wir kennen die Geschichte des Herborner Schlumpewecks.
Was uns Waschkräfte aber besonders freut, ist, dass die Herborner dem denkwürdigen Ereignis des ersten von Waschkraft verzehrten Schlumpewecks ein Denkmal gesetzt haben.
Zum Abschluß sehen wir hier ein Photo des Schlumpeweck-Denkmals, dass seit kurzem den Herborner Marktplatz ziert. Die Bronze-Skulptur ist 7 Tagesreisen hoch und entsprechend breit. Die Erstbesteigung erfolgte 1921 durch Schulzemar von Berchtesgaden und fand in Bad Wu statt (was wirklich eine Meisterleistung war, denn das Dingen steht ja bekanntlich in Herborn!)
Eine schöne Tradition sind die daraus entstandenen Herborner Schlumpewecktage: Hierbei stellen sich alle Herborner in den ersten Oktobermonaten bei Regen unter das Schlumpeweckmonument und singen Waschkraftlieder.



Eine Zierde für Herborn und eine Ehre für uns!
Danke Herborn!
Danke Elke!

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